Community Camp und Mobile Applications
Sunday, November 2nd, 2008Ich komme gerade vom Community Camp zurück und bin - wie immer nach BarCamps - voll von Inspirationen. Vor allem die letzte Diskussionsrunde von Willi und Mo, wo es um Mobile Communities ging, hatte es in sich.
Es wurde deutlich, daß viele - sogar mutmaßlich technikaffine - Personen ein fortwährendes Publizieren des eigenen Standortes ablehnen. Das finde ich schade, ist es doch ein ständiger Wunsch von mir, zu wissen, ob sich Mitglieder meiner Peer-Group gerade in der Nähe befinden. Klar, ich kann verstehen, daß man manche Aufenthaltsorte besser geheim hält. Das immer wieder zitierte Fremdgehen oder den Abend im Swingerclub finde ich zwar ein kindisches Beispiel (dazu sollte man stehen), aber klar, manchmal möchte man vielleicht Weihnachtsgeschenke kaufen. Jedenfalls: Kann man nicht einen Kompromiß finden? Wenn man sich z.B. in einer Gruppe auf dem Oktoberfest trifft, könnten doch diese Personen Ihren Aufenthaltsort für das Zeitfenster des Treffens sharen? Und das könnte - einen Eintrag im Terminplaner vorausgesetzt - automatisch geschehen.
Björn hat eine andere Vision erwähnt, die immer wieder durch die Medien geisterte, aber nie realisiert wurde: Jedes Produkt (und jede Werbung dafür) sollte via Handy maschinenlesbar sein. Interessiert man sich dafür, bekommt man direkt Produktinformationen angezeigt und kann sich Meinungen ansehen. Leider sind wir von dieser greifbaren Idee trotzdem noch meilenweit entfernt. Erstens brauchen wir eindeutige Schlüssel für die Produkte, mit einem frei verfügbaren Namensraum. Die EAN-Codes bringen wenig, da ich z.B. für das Anbieten einer Mietwohnung keinen EAN-Code bekomme. Außerdem gibt es meineswissens kein allgemeines Mapping von EAN-Codes ins DNS (vergleichbar zu ENUM für Telefonnummern), so daß ich dafür einen zentralen Dienstleister bemühen müßte. Erfolgversprechender scheinen mir da zusätzliche 2D-Barcodes zu sein, die schlicht eine URL beinhalten. Entsprechende Standards existieren, werden aber (in Deutschland) nicht genutzt. Aber viele Firmen schaffen es ja noch nichtmal, Ihre Produkte per Deeplink erreichbar zu machen (z.B. Nike)… So kommt es, daß ich vorhin auf dem Rückweg über den Ku’damm zwar einige interessante Sweatshirts und Kauf-Wohnungen gesehen habe, aber schlichtweg zu faul war mir die Namen der Geschäfte oder gar irgendwelche Artikelbezeichnungen aufzuschreiben.
Ein Teilnehmer hatte den Wunsch, Augmented Reality zur Realität werden zu lassen, d.h. das Überlagern des real von uns wahrgenommenen Bildes mit weiteren Informationen. Das wäre die perfekte Integration von Realität und Virtualität. Aber wenn man sich’s mal genau überlegt, ist noch nichtmal die Virtualität ansatzweise integriert. Warum gibt es nicht in jedem Betriebssystem eine Karten-Komponente, die von allen location-basierten Applikationen mit Informationen angereichert wird? Google Maps weist zwar in die richtige Richtung. Aber viele Nutzungsformen werden von Google unterbunden, um das eigene Geschäftsmodell nicht zu gefährden. Da macht sich jemand die Mühe, eines der ältesten location-basierten Probleme zu lösen, nämlich Busfahrpläne der nächstgelegenen Bushaltestellen zu liefern, und wird prompt von der BVG bedroht. Na immerhin funktionieren inzwischen mailto:-Links aus meinem Web-Browser heraus zufriedenstellend (-:
Insgesamt bin ich froh, beim Community Camp gewesen zu sein und danke den Veranstaltern und den Session-Haltern für ihre Initiative.