Archive for the ‘Veranstaltungen’ Category

25th Chaos Communication Congress

Wednesday, December 31st, 2008

Einer der Gründe, weshalb ich nach Berlin gezogen bin, ist der kreativen Computer-Szene näher zu kommen. Eine gute Gelegenheit, hier reinzuschnuppern, ist der Chaos Communication Congress. Das ist das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs, dieses Jahr in der 25.ten Auflage. Von der Grundidee ist der 25c3 tatsächlich ein Kongress, allerdings mit einem sehr dicht gepackten Vortragsprogramm aus den Bereichen Hacking, Making, Society, Culture und Community.

Aus insgesamt knapp 100 Vorträgen konnte ich 35 besuchen. Dort habe ich gelernt, daß wir mit durch und durch unsicherer Technik umgeben sind. Zum Beispiel können Gespräche über DECT-Telefone mit einer 20€ preiswerten Hardware abgehört werden; wahrscheinlich kann man ähnlich einfach auch Gespräche auf Kosten des Nachbars führen. GSM-Zellen können inzwischen von jedermann mit einem Aufwand von ca. 700€ (illegal) aufgebaut werden. Interessanterweise buchen sich viele Handies in so eine “Piratenzelle” ein, obwohl diese nicht vorgibt, einem der offiziellen Mobilfunkanbieter zu gehören. Einzig UMTS bietet noch einen gewissen Schutz, so daß ich jedem raten würde, DECT-Telefone außer Betrieb zu nehmen und vom Handy nur noch den UMTS-Teil zu benutzen. Nebenbei wurde ein Exploit gezeigt, mittels dessen man mit einer speziellen SMS die SMS-Funktionalität eines beliebigen Nokia S60-Handies lahmlegt.

Algorithmen und Daten in einen Chip zu gießen bietet mittlerweile auch keinen guten Schutz mehr, denn die Software zum Reverse-Engineeren von Chipstrukturen ist inzwischen sehr leistungsfähig geworden. Prominentestes Opfer dieser Technik ist Mifare, deren lausiger Veschlüsselungsalgorithmus, der in Millionen von Zugangs- und Bezahlkarten Anwendung findet, auf diese weise enttarnt wurde. Daten in RAM-Chips wiederum sind lange nicht so volatil, wie man vielleicht annimmt. Nicht nur behalten sie ihre Ladung über eine längere Zeit des Abschaltens, sondern man kann die Module sogar in einen anderen Computer wechseln, wenn man sie nur vorher mit gewöhnlicher Druckluft etwas abkühlt.

Auch mit dem Schaffen von Dingen beschäftigen sich die Leute. Der eine erzeugt algorithmische Musik, der nächste erklärt in 64 Minuten alles, was man über die Programmierung eines C64 wissen muß. Gleich mehrfach vertreten waren die Anhänger des Rapid Prototyping, also dem Erschaffen von physikalischen Objekten mittels Computerprogramm (bekanntestes Beispiel: CNC-Fräse). Im Keller des Kongress-Zentrums wurden Hubschrauber gebastelt, LED-Matrizen demonstriert und natürlich gehackt, bis die Balken brechen.

Ein interessantes Projekt war OpenBeacon/OpenAMD, die mittels RFID-Technik “Sputnik” Bewegungs- und Bezeihungsprofile aller Teilnehmer erstellt haben. Leider startete die Erfassung mit einem Tag Verspätung, und die Auswertung dann mit einem weiteren, so daß ich nicht mehr viel von dem Spaß hatte. Aber mal sehen, was für Informationen nachträglich noch aus dem Datenberg gewonnen werden.

Eine Multimedia-Show über Kurt Gödel, ein schräg-chaotisches Theaterstück über den Kommunismus und eine Hacker-Quiz-Show rundeten das Veranstaltungsprogramm der Abende ab. Doch die Hacker und Hacksen konnten dann noch auf den Parties der nahe gelegenen C-Base feiern, oder zur Musik des ständigen DJ-Programms in der Raucher-Lounge chillen… Für viele war der Kongress für 4 Tage das Zuhause, denn man konnte 24h im Gebäude bleiben.

Ein Problem war die chronische Überfüllung aller Vortragssäle, denn mit ca. 4300 Besuchern hat der Kongress erstmals alle Karten ausverkauft. Ein Wechsel des Veranstaltungsorts kommt laut CCC eher nicht in Frage, denn das Center erfüllt wohl sonst alle Kriterien. Ich persönlich fände einen Wechsel auch sehr schade, denn ich finde die Architektur sucht seinesgleichen. So oder so: Ich werde nächstes Jahr wieder mit dabei sein!

Community Camp und Mobile Applications

Sunday, November 2nd, 2008

Ich komme gerade vom Community Camp zurück und bin - wie immer nach BarCamps - voll von Inspirationen. Vor allem die letzte Diskussionsrunde von Willi und Mo, wo es um Mobile Communities ging, hatte es in sich.

Es wurde deutlich, daß viele - sogar mutmaßlich technikaffine - Personen ein fortwährendes Publizieren des eigenen Standortes ablehnen. Das finde ich schade, ist es doch ein ständiger Wunsch von mir, zu wissen, ob sich Mitglieder meiner Peer-Group gerade in der Nähe befinden. Klar, ich kann verstehen, daß man manche Aufenthaltsorte besser geheim hält. Das immer wieder zitierte Fremdgehen oder den Abend im Swingerclub finde ich zwar ein kindisches Beispiel (dazu sollte man stehen), aber klar, manchmal möchte man vielleicht Weihnachtsgeschenke kaufen. Jedenfalls: Kann man nicht einen Kompromiß finden? Wenn man sich z.B. in einer Gruppe auf dem Oktoberfest trifft, könnten doch diese Personen Ihren Aufenthaltsort für das Zeitfenster des Treffens sharen? Und das könnte - einen Eintrag im Terminplaner vorausgesetzt - automatisch geschehen.

Björn hat eine andere Vision erwähnt, die immer wieder durch die Medien geisterte, aber nie realisiert wurde: Jedes Produkt (und jede Werbung dafür) sollte via Handy maschinenlesbar sein. Interessiert man sich dafür, bekommt man direkt Produktinformationen angezeigt und kann sich Meinungen ansehen. Leider sind wir von dieser greifbaren Idee trotzdem noch meilenweit entfernt. Erstens brauchen wir eindeutige Schlüssel für die Produkte, mit einem frei verfügbaren Namensraum. Die EAN-Codes bringen wenig, da ich z.B. für das Anbieten einer Mietwohnung keinen EAN-Code bekomme. Außerdem gibt es meineswissens kein allgemeines Mapping von EAN-Codes ins DNS (vergleichbar zu ENUM für Telefonnummern), so daß ich dafür einen zentralen Dienstleister bemühen müßte. Erfolgversprechender scheinen mir da zusätzliche 2D-Barcodes zu sein, die schlicht eine URL beinhalten. Entsprechende Standards existieren, werden aber (in Deutschland) nicht genutzt. Aber viele Firmen schaffen es ja noch nichtmal, Ihre Produkte per Deeplink erreichbar zu machen (z.B. Nike)… So kommt es, daß ich vorhin auf dem Rückweg über den Ku’damm zwar einige interessante Sweatshirts und Kauf-Wohnungen gesehen habe, aber schlichtweg zu faul war mir die Namen der Geschäfte oder gar irgendwelche Artikelbezeichnungen aufzuschreiben.

Ein Teilnehmer hatte den Wunsch, Augmented Reality zur Realität werden zu lassen, d.h. das Überlagern des real von uns wahrgenommenen Bildes mit weiteren Informationen. Das wäre die perfekte Integration von Realität und Virtualität. Aber wenn man sich’s mal genau überlegt, ist noch nichtmal die Virtualität ansatzweise integriert. Warum gibt es nicht in jedem Betriebssystem eine Karten-Komponente, die von allen location-basierten Applikationen mit Informationen angereichert wird? Google Maps weist zwar in die richtige Richtung. Aber viele Nutzungsformen werden von Google unterbunden, um das eigene Geschäftsmodell nicht zu gefährden. Da macht sich jemand die Mühe, eines der ältesten location-basierten Probleme zu lösen, nämlich Busfahrpläne der nächstgelegenen Bushaltestellen zu liefern, und wird prompt von der BVG bedroht. Na immerhin funktionieren inzwischen mailto:-Links aus meinem Web-Browser heraus zufriedenstellend (-:

Insgesamt bin ich froh, beim Community Camp gewesen zu sein und danke den Veranstaltern und den Session-Haltern für ihre Initiative.

IFA 2008

Monday, September 1st, 2008

Wow, 1000 Eindrücke! Auf der IFA gibt es gefühlt weniger Wandfläche als Monitorfläche. Einige der Stände können sich echt sehen lassen. Bei Sony fühlt man sich wie in einem tropischen Regenwald auf dem Neptun, inkl. Gewitter jede viertel Stunde. Samsung empfängt die Messebesucher mit einem riesigen Torbogen aus getrennt steuerbaren Monitoren - zusammen mit der passenden Sounduntermalung ein Erlebnis! Doch auch fast alle anderen Stände sind durchgestyled - triste Messe-Cubicles a’la Systems bekommt man nur in den rein chinesisch/koreanischen Hallen präsentiert. Die wohl dieses Jahr hinzugekommene “weiße Ware” (Haushaltsgeräte) ist eigentlich gar nicht so weiß mehr, und hat vor allem den Vorteil, daß man gut verköstigt wird. In den Hallen 1-4 wird um die Wette gekocht, und auch die Anhänger von Koffein-Produkten oder Bio-Limonaden kommen nicht zu kurz.

Meine subjektiven Highlights:

Bei Nespresso bekommt man den Kaffee in einer speziellen Tasse serviert. Setzt man diese auf den Tresen, werden neben der Tasse Informationen zur Kaffee-Sorte eingeblendet. Man mann die Tasse herumschieben - die Sprechblase folgt bei Fuß. Auch Eingaben per Finger sind möglich, in diesem Fall die Sprachwahl.

Bei Sony gibts das Jump’n'Run “Little Big Planet” für die PS3 auszuprobieren. Das macht richtig Laune, vor allem weil auch ein Level-Editor dabei ist und die Möglichkeit, Levels über das Internet zu tauschen. Außerdem gibt’s einen tanzenden MP3-Player (wohl eher ein Party-Gag). Die OLED’s haben mich dagegen enttäuscht, die Farben sehen einfach nicht echt aus.

Bei der Telekom steht eine große Videowand, die in etwa die gleichen Touch-Gesten wie das iPhone versteht, allerdings von vielen Nutzern gleichzeitig. Macht echt Spaß, Videos zu Zoomen und zu rotieren.

Irgendwo abseits vom Trubel, in der sonst eher schlichten “Forschungs”-Halle, gibt’s diese Dinosaurier-Roboter zu bestaunen. Sieht süß aus, wird aber bestimmt schon nach 30 Minuten langweilig.

JVC führt in einem Separee einen ihrer neuen Projektoren mit dem Markennamen “D-ILA” vor. Das hat mich ziemlich beeindruckt - ich habe schon gedacht, daß moderne Projektoren nie ans Kino herankommen werden. Jedenfalls habe ich gelernt: HD-Auflösung reicht erstmal, und der Schwarzwert von Nicht-Röhren-Projektoren ist inzwischen auch vorzeigbar. Mal sehen, was das Teil kostet, wenn ich endlich wieder ein Heimkino einrichten kann…

Apropos Schwarzwert: Samsung demonstriert einen Fernseher, dessen Hintergrund-LEDs adaptiv ausgeschaltet werden. Dadurch erhält man einen wirklich beeindruckenden Schwarzwert, und mir sind auch keine negativen Nebeneffekte der Technologie aufgefallen (die Demo läuft mit realem Bildmaterial). Direkt nebenan gibts eine Technik zur Berechnung von Zwischenbildern zu sehen, wodurch vor allem scrollende Bereiche butterweich scrollen - trotz Zuspielung mit ruckeligen 24 Hz. Allerdings befürchte ich, daß der Algorithmus nur mit dem doch eher abwechslungslosen Demo-Material einwandfrei funktioniert. Das Subnotebook X360 steht gleich mehrfach herum, sieht aber wirklich aus wie Spielzeug. Aufgefallen ist mir vor allem die schlechte Verarbeitung (unregelmäßige Spalten). Immerhin: Anscheinend soll es jetzt doch gleich mit integriertem HSDPA erscheinen.

Bei DLP (Texas Instruments) gibt’s in einem Vorführraum einen Full-HD-Beamer mit LED-Leuchtmittel zu sehen. Die Helligkeit ist zwar für LEDs erstaunlich, jedoch läßt der Schwarzwert sehr zu wünschen übrig. Direkt daneben gibts Trailer von 3D-Filmen - darunter ein Remake von Journey to the Center of the Earth.

Bei Miele gibts Waschmaschinen, Geschirrspülmaschinen und diverse Küchengeräte, die per Powerline vernetzt werden. So kann etwa am Herd abgefragt werden, in welcher Waschphase sich der Kollege im Keller gerade befindet. Um von dem proprietären Netzwerk eine Brücke in die TCP/IP-Welt zu schlagen, muß man allerdings ein ca. 800 Euro teures “Gateway” kaufen. Der ganze Spaß hört auf “at Home”.

Und schließlich habe ich bei HTC mit dem Touch Pro herumgespielt. Es gab nur ein einziges Exemplar, dagegen einige Diamonds. However, die Bedienung ist leider ähnlich unpräzise wie beim Diamond. Manchmal hinkt die Darstellung den Touch-Gesten bis zu einer Sekunde hinterher. Allzu oft löst man eine ungewollte Funktion aus, und tatsächlich landet man weitaus öfters in klassischen Windows Mobile-Anwendungen, als die Testberichte hoffen machten. Trotzdem schick und klein; die Tastatur ist von ähnlicher Qualität wie die des Nokia E70. Leider konnte ich wieder keine Surf-Navigation testen, da HTC nicht an einen Internet-Zugang gedacht hat. Für einen Moment war ich versucht, das E70 als Internet Access Point zur Verfügung zu stellen - hab’s aber dann doch gelassen.

Leider ist Lenovo nicht mit von der Partie. Ich hätte gerne ein ThinkPad X301 gesehen.

Eigentlich ist die IFA mein erstes Messeerlebnis, das mir wirklich einen Blick in die Zukunft gezeigt hat. Viele Exponate sind Technologie-Studien, Prototypen und ähnliches. Jedenfalls kann ich nun sagen: Die Zukunft ist groß, flach, und hat ein Seitenverhältnis von 16:9… In diesem Sinne: Nächstes Jahr vielleicht wieder!