25th Chaos Communication Congress

Einer der Gründe, weshalb ich nach Berlin gezogen bin, ist der kreativen Computer-Szene näher zu kommen. Eine gute Gelegenheit, hier reinzuschnuppern, ist der Chaos Communication Congress. Das ist das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs, dieses Jahr in der 25.ten Auflage. Von der Grundidee ist der 25c3 tatsächlich ein Kongress, allerdings mit einem sehr dicht gepackten Vortragsprogramm aus den Bereichen Hacking, Making, Society, Culture und Community.

Aus insgesamt knapp 100 Vorträgen konnte ich 35 besuchen. Dort habe ich gelernt, daß wir mit durch und durch unsicherer Technik umgeben sind. Zum Beispiel können Gespräche über DECT-Telefone mit einer 20€ preiswerten Hardware abgehört werden; wahrscheinlich kann man ähnlich einfach auch Gespräche auf Kosten des Nachbars führen. GSM-Zellen können inzwischen von jedermann mit einem Aufwand von ca. 700€ (illegal) aufgebaut werden. Interessanterweise buchen sich viele Handies in so eine “Piratenzelle” ein, obwohl diese nicht vorgibt, einem der offiziellen Mobilfunkanbieter zu gehören. Einzig UMTS bietet noch einen gewissen Schutz, so daß ich jedem raten würde, DECT-Telefone außer Betrieb zu nehmen und vom Handy nur noch den UMTS-Teil zu benutzen. Nebenbei wurde ein Exploit gezeigt, mittels dessen man mit einer speziellen SMS die SMS-Funktionalität eines beliebigen Nokia S60-Handies lahmlegt.

Algorithmen und Daten in einen Chip zu gießen bietet mittlerweile auch keinen guten Schutz mehr, denn die Software zum Reverse-Engineeren von Chipstrukturen ist inzwischen sehr leistungsfähig geworden. Prominentestes Opfer dieser Technik ist Mifare, deren lausiger Veschlüsselungsalgorithmus, der in Millionen von Zugangs- und Bezahlkarten Anwendung findet, auf diese weise enttarnt wurde. Daten in RAM-Chips wiederum sind lange nicht so volatil, wie man vielleicht annimmt. Nicht nur behalten sie ihre Ladung über eine längere Zeit des Abschaltens, sondern man kann die Module sogar in einen anderen Computer wechseln, wenn man sie nur vorher mit gewöhnlicher Druckluft etwas abkühlt.

Auch mit dem Schaffen von Dingen beschäftigen sich die Leute. Der eine erzeugt algorithmische Musik, der nächste erklärt in 64 Minuten alles, was man über die Programmierung eines C64 wissen muß. Gleich mehrfach vertreten waren die Anhänger des Rapid Prototyping, also dem Erschaffen von physikalischen Objekten mittels Computerprogramm (bekanntestes Beispiel: CNC-Fräse). Im Keller des Kongress-Zentrums wurden Hubschrauber gebastelt, LED-Matrizen demonstriert und natürlich gehackt, bis die Balken brechen.

Ein interessantes Projekt war OpenBeacon/OpenAMD, die mittels RFID-Technik “Sputnik” Bewegungs- und Bezeihungsprofile aller Teilnehmer erstellt haben. Leider startete die Erfassung mit einem Tag Verspätung, und die Auswertung dann mit einem weiteren, so daß ich nicht mehr viel von dem Spaß hatte. Aber mal sehen, was für Informationen nachträglich noch aus dem Datenberg gewonnen werden.

Eine Multimedia-Show über Kurt Gödel, ein schräg-chaotisches Theaterstück über den Kommunismus und eine Hacker-Quiz-Show rundeten das Veranstaltungsprogramm der Abende ab. Doch die Hacker und Hacksen konnten dann noch auf den Parties der nahe gelegenen C-Base feiern, oder zur Musik des ständigen DJ-Programms in der Raucher-Lounge chillen… Für viele war der Kongress für 4 Tage das Zuhause, denn man konnte 24h im Gebäude bleiben.

Ein Problem war die chronische Überfüllung aller Vortragssäle, denn mit ca. 4300 Besuchern hat der Kongress erstmals alle Karten ausverkauft. Ein Wechsel des Veranstaltungsorts kommt laut CCC eher nicht in Frage, denn das Center erfüllt wohl sonst alle Kriterien. Ich persönlich fände einen Wechsel auch sehr schade, denn ich finde die Architektur sucht seinesgleichen. So oder so: Ich werde nächstes Jahr wieder mit dabei sein!

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