Archive for November, 2008

Gothic

Saturday, November 29th, 2008

In den letzten Wochen habe ich einen echten Rollenspiel-Klassiker gespielt. Gothic (Teil 1) erzählt die Geschichte von einem Abenteurer, der in ein mit einer magischen Barriere umgebenes “Gefängnis” geworfen wird und versucht, wieder ins Freie zu kommen. Die Barriere ist so groß, daß sie mehrere Täler, einige Städte bzw. Dörfer und auch unterirdische Bereiche wie Höhlen und Minen umschließt. Der Spieler erfährt gleich am Anfang, daß sich die Bewohner in mehrere Fraktionen – die Lager – gespalten haben, die jeweils verschiedene Ziele verfolgen. Man entscheidet sich für eines dieser Lager und erhält eine entsprechende Ausbildung, die aber in jedem Falle aus einem ausgewogenen Mix zwischen Kampfkunst und Zauberei besteht.

Vor allem aber erlebt man die Story aus der Perspektive des entsprechenden Lagers. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber es gibt einige drastische Wendungen in der Story, die zwar von der Idee her nicht neu sind, aber in einem Rollenspiel trotzdem noch nie so gut umgesetzt wurden – auch nicht in den Nachfolgern Gothic II bzw. Gothic III. Allein deshalb lohnt es sich, die Gothic-Reihe am Anfang zu beginnen.

Die Athmosphäre in Gothic ist – vor allem für ein Spiel aus dem Jahr 2001 – unglaublich dicht. Dafür sorgt die Detailverliebtheit der Designer: Jeder Teil der Welt erfüllt seine (romantischen) Klischee-Vorbilder: vom mittelalterlichen Marktplatz bis zum verlassenen Leuchtturm mit Felsengang bis zur geheimen Bucht an der Steilküste. Es gibt finstere Wälder, in denen böse Monster hausen. Es gibt aber auch lieblich dahinplätscherde Bäche. Man erhält sofort erste Quests und wird von diesen durch die gesamte Story geführt. Das schöne ist, daß jede Quest Sinn macht. Man hilft Fremden aus der Patsche, freundet sich möglicherweise an und kämpft später vielleicht Seite an Seite. Ich kann mich an kein Rollenspiel erinnern, bei dem ein vergleichbares Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht.

Leider ist bei aller Perfektion das User-Interface auf der Strecke geblieben. An die konsolenartige, genre-untypische Steuerung gewöhnt man sich noch relativ schnell. Den Vogel schießt allerdings das Inventar ab, in dem man umständlich alle Kategorien nacheinander durchblättern muß. Selbst so wichtige Gegenstände wie die in der Gothic-Welt gültige Währung Erz sind tief vergraben – vor allem beim Handel sehr hinderlich. Glücklicherweise wurde das beim Nachfolger leicht verbessert. Es fehlt die Möglichkeit, Zaubersprüche oder Tränke auf Hotkeys zu legen. Es ist damit so gut wie unmöglich, während eines Kampfs die Strategie zu wechseln.

Ein Problem sind auch die Bugs. In der ersten Spielhälfte läuft das Spiel noch recht stabil. Später empfiehlt sich dann jedoch häufiges Speichern, da Probleme beim Memory Management das Spiel immer mal wieder in die Knie zwingen. Am Ende ist es dann gar dem Zufall überlassen, ob man bestimmte – an sich harmlose – Stellen ohne Programmabsturz passieren kann. Probleme dieser Art ziehen sich übrigens durch die ganze Gothic-Reihe und zeigen in Gothic III ihren Höhepunkt.

Trotz der technischen Probleme ist Gothic ein Muß für Rollenspieler. Zusammen mit Teil 2 übertrifft es Urgesteine wie die Ultima-Serie, vor allem weil der Spagat zwischen packender Story und athmospärisch dichter 3D-Grafik hier erstmalig wirklich gelungen ist. Ein Jammer, daß sich das Entwicklerteam Piranha Bytes aufgrund des nicht die hohen Erwartung erfüllenden Gothic III vom Gothic-Universum trennen mußte…

Community Camp und Mobile Applications

Sunday, November 2nd, 2008

Ich komme gerade vom Community Camp zurück und bin – wie immer nach BarCamps – voll von Inspirationen. Vor allem die letzte Diskussionsrunde von Willi und Mo, wo es um Mobile Communities ging, hatte es in sich.

Es wurde deutlich, daß viele – sogar mutmaßlich technikaffine – Personen ein fortwährendes Publizieren des eigenen Standortes ablehnen. Das finde ich schade, ist es doch ein ständiger Wunsch von mir, zu wissen, ob sich Mitglieder meiner Peer-Group gerade in der Nähe befinden. Klar, ich kann verstehen, daß man manche Aufenthaltsorte besser geheim hält. Das immer wieder zitierte Fremdgehen oder den Abend im Swingerclub finde ich zwar ein kindisches Beispiel (dazu sollte man stehen), aber klar, manchmal möchte man vielleicht Weihnachtsgeschenke kaufen. Jedenfalls: Kann man nicht einen Kompromiß finden? Wenn man sich z.B. in einer Gruppe auf dem Oktoberfest trifft, könnten doch diese Personen Ihren Aufenthaltsort für das Zeitfenster des Treffens sharen? Und das könnte – einen Eintrag im Terminplaner vorausgesetzt – automatisch geschehen.

Björn hat eine andere Vision erwähnt, die immer wieder durch die Medien geisterte, aber nie realisiert wurde: Jedes Produkt (und jede Werbung dafür) sollte via Handy maschinenlesbar sein. Interessiert man sich dafür, bekommt man direkt Produktinformationen angezeigt und kann sich Meinungen ansehen. Leider sind wir von dieser greifbaren Idee trotzdem noch meilenweit entfernt. Erstens brauchen wir eindeutige Schlüssel für die Produkte, mit einem frei verfügbaren Namensraum. Die EAN-Codes bringen wenig, da ich z.B. für das Anbieten einer Mietwohnung keinen EAN-Code bekomme. Außerdem gibt es meineswissens kein allgemeines Mapping von EAN-Codes ins DNS (vergleichbar zu ENUM für Telefonnummern), so daß ich dafür einen zentralen Dienstleister bemühen müßte. Erfolgversprechender scheinen mir da zusätzliche 2D-Barcodes zu sein, die schlicht eine URL beinhalten. Entsprechende Standards existieren, werden aber (in Deutschland) nicht genutzt. Aber viele Firmen schaffen es ja noch nichtmal, Ihre Produkte per Deeplink erreichbar zu machen (z.B. Nike)… So kommt es, daß ich vorhin auf dem Rückweg über den Ku’damm zwar einige interessante Sweatshirts und Kauf-Wohnungen gesehen habe, aber schlichtweg zu faul war mir die Namen der Geschäfte oder gar irgendwelche Artikelbezeichnungen aufzuschreiben.

Ein Teilnehmer hatte den Wunsch, Augmented Reality zur Realität werden zu lassen, d.h. das Überlagern des real von uns wahrgenommenen Bildes mit weiteren Informationen. Das wäre die perfekte Integration von Realität und Virtualität. Aber wenn man sich’s mal genau überlegt, ist noch nichtmal die Virtualität ansatzweise integriert. Warum gibt es nicht in jedem Betriebssystem eine Karten-Komponente, die von allen location-basierten Applikationen mit Informationen angereichert wird? Google Maps weist zwar in die richtige Richtung. Aber viele Nutzungsformen werden von Google unterbunden, um das eigene Geschäftsmodell nicht zu gefährden. Da macht sich jemand die Mühe, eines der ältesten location-basierten Probleme zu lösen, nämlich Busfahrpläne der nächstgelegenen Bushaltestellen zu liefern, und wird prompt von der BVG bedroht. Na immerhin funktionieren inzwischen mailto:-Links aus meinem Web-Browser heraus zufriedenstellend (-:

Insgesamt bin ich froh, beim Community Camp gewesen zu sein und danke den Veranstaltern und den Session-Haltern für ihre Initiative.