IFA 2008

Wow, 1000 Eindrücke! Auf der IFA gibt es gefühlt weniger Wandfläche als Monitorfläche. Einige der Stände können sich echt sehen lassen. Bei Sony fühlt man sich wie in einem tropischen Regenwald auf dem Neptun, inkl. Gewitter jede viertel Stunde. Samsung empfängt die Messebesucher mit einem riesigen Torbogen aus getrennt steuerbaren Monitoren - zusammen mit der passenden Sounduntermalung ein Erlebnis! Doch auch fast alle anderen Stände sind durchgestyled - triste Messe-Cubicles a’la Systems bekommt man nur in den rein chinesisch/koreanischen Hallen präsentiert. Die wohl dieses Jahr hinzugekommene “weiße Ware” (Haushaltsgeräte) ist eigentlich gar nicht so weiß mehr, und hat vor allem den Vorteil, daß man gut verköstigt wird. In den Hallen 1-4 wird um die Wette gekocht, und auch die Anhänger von Koffein-Produkten oder Bio-Limonaden kommen nicht zu kurz.

Meine subjektiven Highlights:

Bei Nespresso bekommt man den Kaffee in einer speziellen Tasse serviert. Setzt man diese auf den Tresen, werden neben der Tasse Informationen zur Kaffee-Sorte eingeblendet. Man mann die Tasse herumschieben - die Sprechblase folgt bei Fuß. Auch Eingaben per Finger sind möglich, in diesem Fall die Sprachwahl.

Bei Sony gibts das Jump’n'Run “Little Big Planet” für die PS3 auszuprobieren. Das macht richtig Laune, vor allem weil auch ein Level-Editor dabei ist und die Möglichkeit, Levels über das Internet zu tauschen. Außerdem gibt’s einen tanzenden MP3-Player (wohl eher ein Party-Gag). Die OLED’s haben mich dagegen enttäuscht, die Farben sehen einfach nicht echt aus.

Bei der Telekom steht eine große Videowand, die in etwa die gleichen Touch-Gesten wie das iPhone versteht, allerdings von vielen Nutzern gleichzeitig. Macht echt Spaß, Videos zu Zoomen und zu rotieren.

Irgendwo abseits vom Trubel, in der sonst eher schlichten “Forschungs”-Halle, gibt’s diese Dinosaurier-Roboter zu bestaunen. Sieht süß aus, wird aber bestimmt schon nach 30 Minuten langweilig.

JVC führt in einem Separee einen ihrer neuen Projektoren mit dem Markennamen “D-ILA” vor. Das hat mich ziemlich beeindruckt - ich habe schon gedacht, daß moderne Projektoren nie ans Kino herankommen werden. Jedenfalls habe ich gelernt: HD-Auflösung reicht erstmal, und der Schwarzwert von Nicht-Röhren-Projektoren ist inzwischen auch vorzeigbar. Mal sehen, was das Teil kostet, wenn ich endlich wieder ein Heimkino einrichten kann…

Apropos Schwarzwert: Samsung demonstriert einen Fernseher, dessen Hintergrund-LEDs adaptiv ausgeschaltet werden. Dadurch erhält man einen wirklich beeindruckenden Schwarzwert, und mir sind auch keine negativen Nebeneffekte der Technologie aufgefallen (die Demo läuft mit realem Bildmaterial). Direkt nebenan gibts eine Technik zur Berechnung von Zwischenbildern zu sehen, wodurch vor allem scrollende Bereiche butterweich scrollen - trotz Zuspielung mit ruckeligen 24 Hz. Allerdings befürchte ich, daß der Algorithmus nur mit dem doch eher abwechslungslosen Demo-Material einwandfrei funktioniert. Das Subnotebook X360 steht gleich mehrfach herum, sieht aber wirklich aus wie Spielzeug. Aufgefallen ist mir vor allem die schlechte Verarbeitung (unregelmäßige Spalten). Immerhin: Anscheinend soll es jetzt doch gleich mit integriertem HSDPA erscheinen.

Bei DLP (Texas Instruments) gibt’s in einem Vorführraum einen Full-HD-Beamer mit LED-Leuchtmittel zu sehen. Die Helligkeit ist zwar für LEDs erstaunlich, jedoch läßt der Schwarzwert sehr zu wünschen übrig. Direkt daneben gibts Trailer von 3D-Filmen - darunter ein Remake von Journey to the Center of the Earth.

Bei Miele gibts Waschmaschinen, Geschirrspülmaschinen und diverse Küchengeräte, die per Powerline vernetzt werden. So kann etwa am Herd abgefragt werden, in welcher Waschphase sich der Kollege im Keller gerade befindet. Um von dem proprietären Netzwerk eine Brücke in die TCP/IP-Welt zu schlagen, muß man allerdings ein ca. 800 Euro teures “Gateway” kaufen. Der ganze Spaß hört auf “at Home”.

Und schließlich habe ich bei HTC mit dem Touch Pro herumgespielt. Es gab nur ein einziges Exemplar, dagegen einige Diamonds. However, die Bedienung ist leider ähnlich unpräzise wie beim Diamond. Manchmal hinkt die Darstellung den Touch-Gesten bis zu einer Sekunde hinterher. Allzu oft löst man eine ungewollte Funktion aus, und tatsächlich landet man weitaus öfters in klassischen Windows Mobile-Anwendungen, als die Testberichte hoffen machten. Trotzdem schick und klein; die Tastatur ist von ähnlicher Qualität wie die des Nokia E70. Leider konnte ich wieder keine Surf-Navigation testen, da HTC nicht an einen Internet-Zugang gedacht hat. Für einen Moment war ich versucht, das E70 als Internet Access Point zur Verfügung zu stellen - hab’s aber dann doch gelassen.

Leider ist Lenovo nicht mit von der Partie. Ich hätte gerne ein ThinkPad X301 gesehen.

Eigentlich ist die IFA mein erstes Messeerlebnis, das mir wirklich einen Blick in die Zukunft gezeigt hat. Viele Exponate sind Technologie-Studien, Prototypen und ähnliches. Jedenfalls kann ich nun sagen: Die Zukunft ist groß, flach, und hat ein Seitenverhältnis von 16:9… In diesem Sinne: Nächstes Jahr vielleicht wieder!

Tags:

One Response to “IFA 2008”

  1. BJörn Says:

    Macht mir ja etwas Mut, denn die Zeitungsartikel zur IFA fand ich extrem enttäuschend. Die Innovationen schienen sich auf DVD-Player mit MP3-Funktionalität oder universelle Fernbedieungen zu beschränken.

    Wobei mich an den von Dir angesprochenen Dingen eigentlich auch nur die Dinosaurier interessiert hätten. Die Schwärze der LCDs vielleicht noch, aber da fehlt mir die Fachkenntnis.

    Meiner Ansicht nach ist derzeit die Luft etwas raus aus der Elektronik, die Zeiten, in denen Radios die Leute noch begeistert haben sind einfach vorbei.