Archive for May, 2008

Monsters’ Den: Book of Dread

Monday, May 19th, 2008

Kürzlich hat Björn mir Monsters’ Den: Book of Dread gezeigt. Es handelt sich um ein als Flash realisiertes Rollenspiel. Der Spieler betritt in Gestalt einer vierköpfigen Party eine Dungeon, und durchkämmt diese Level für Level, immer auf der Suche nach besseren Gegenständen und Monstern, die diese nicht freiwillig hergeben. Die Grafik erinnert ein bißchen an Nethack. Auch das rundenbasierte Zugsystem könnte von dort kommen – doch damit erschöpfen sich die Ähnlichkeiten schnell. Monsters’ Den ist viel näher an Diablo als an Nethack. Vielleicht noch näher an dem Ur-Ahnen Temple of Apshai. Alles läßt sich schnell spielen, schnell klicken. Es gibt keine komplizierten Spielmechanismen. Heiltrank trinken? Einfach per Drag’n'Drop auf die Spielfigur schieben – Dungeon Master läßt grüßen.

Der ausgefeilteste Mechanismus des Spiels ist wohl der Kampf. Für Monster und Spieler stehen jeweils 2 Reihen à 3 Felder zur Verfügung, auf die man sich verteilt. Ähnlich wie bei Guild Wars wird zwischen Nahkampf, Fernkampf und Area-Effekten unterschieden. Es empfiehlt sich natürlich, Nahkämpfer nach vorne zu stellen. Die Aktionsreihenfolge wird durch den Speed der Kämpfenden bestimmt. Jeder Teilnehmer kann einen seiner Skills ausführen, wobei “die Waffe benutzen” einen der von Anfang an erlernten Basisskills darstellt. Es gibt außerdem Vergiftungen, Stuns und Flüche. Trotz der Vielfalt bleibt die Bedienung einfach: Skill auswählen, Ziel auswählen, fertig.

Eine weitere Hommage an Diablo ist der Shop, der nur per Portal-Spruchrolle erreichbar ist. Hat man grade keine zu Hand, muß man wohl oder übel Teile seines Inventars opfern wenn selbiges die Tragekapazität der Abenteurer übersteigt. Irgendwie fand ich die Shops in Nethack stimmungsvoller – wenn auch unrealistischer. Davon abgesehen kann man mit dem Geld ohnehin wenig anfangen, denn wie bei so manchem Rollenspiel werden die käuflich erwerbbaren Gegenstände binnen weniger Minuten Spielzeit von anderweitig gefundenen aufs Altenteil geschickt.

Der ein- oder andere wird denken, Monsters’ Den ist nur ein Abklatsch von vergangenen Spielen. Das stimmt auch weitgehend. Trotzdem gibt es auch Innovation: Zum Beispiel gibt das Spiel praktische Hinweise, welcher Spieler welchen Gegenstand gebrauchen könnte. Dazu reicht es, mit der Maus über dem noch nicht aufgehobenen Gegenstand zu verweilen. Aber ganz sollte man sich nicht auf die Automatik verlassen: Ein Stärkering +2 mag zwar besser sein als ein Intelligenzring +1, trotzdem kann ein Magier möglicherweise mit letzterem mehr anfangen.

Nach dem Debakel mit Legend war ich bezüglich des Spielspaßes sehr skeptisch. Aber ich finde, Monsters’ Den ist gelungen. Es spielt sich flüssig, es ist nicht zu schwer (aber auch nicht trivial leicht) und das Balancing ist außerordentlich gut gelungen, wie ich finde. Selbst der Soundtrack ist Diablo-mäßig stimmungsvoll und fängt trotz Wiederholungen erst nach einigen Stunden Spielzeit an zu nerven. Für mich persönlich ein Manko: Es gibt keine Quests (bzw. nur in homöopathischen Dosen).

Das Spiel ist übrigens kostenlos, und mir sind auch keine versteckten Kosten aufgefallen (Gegenstände kaufen und ähnliches).