Archive for April, 2008

Frühlingsputz im Paket-Manager

Thursday, April 24th, 2008

Wer schon diverse Software aus einem Third-Party Package Repository für Ubuntu installiert hat, wird früher oder später vor dem Problem stehen, daß er die installierten Pakete (einschließlich der Abhängigkeiten) wieder los werden will. Denn das simple Entfernen der entsprechenden Repositories führt lediglich dazu, daß keine Updates mehr eingespielt werden. Wenn es ganz dumm läuft, verpaßt man auf diesem Weg gar ein wichtiges Sicherheits-Update. Die folgende Beschreibung ist auch nützlich für Nutzer, die ihr Ubuntu von “restricted” Software befreien wollen.

Der erste Schritt ist also, die entsprechenden Repositories aus den Software Sources zu entfernen. Wer lieber die “/etc/apt/sources.list” direkt bearbeitet, sollte nicht vergessen, anschließend mit einem “apt-get update” die Liste der verfügbaren Pakete zu aktualisieren. Eine Warnung am Rande: Das Repository “main” sollte man auf keinen Fall entfernen. Es stellt das Herzstück von Ubuntu dar.
Nun benötigen wir eine Liste der Packages, die nicht mehr in einem Repository enthalten sind. Dazu braucht es das Tool “apt-show-versions” aus dem gleichnamigen Package im “universe” Repository:

apt-show-versions | grep -v uptodate

Wenn hier ein Package gelistet wird, kann das mehrere Gründe haben. Entweder es ist nicht aktuell (Meldung: “upgradeable from x to y”). Dann kann man die Gelegenheit nutzen, um etwa mit dem Update Manager ein Upgrade durchzuführen.

Uns interessieren jedoch Pakete mit dem Kommentar “No available version in archive”. Diese sind Deinstallations-Kandidaten. Wer genau weiß, was er macht, kann einzelne Pakete einfach deinstallieren:

sudo apt-get remove –purge paketname

Wer sich nicht sicher ist, benutzt “debfoster” (gleichnamiges Package). Einmal gestartet, fragt es interaktiv alle Packages ab, wobei dank Berücksichtigung von Abhängigkeiten die Liste der Fragen erfreulich kurz bleibt. Ein frisch installiertes Ubuntu benötigt z.B. lediglich die folgenden Pakete, die man alle mit “y” bestätigen sollte:

  • ubuntu-desktop
  • ubuntu-standard
  • ubuntu-minimal
  • xserver-xorg-video-all
  • xserver-xorg-input-all
  • language-pack-gnome-en (bzw. -de)
  • linux-generic (bzw. linux-image-generic)

Sobald ein Paket genannt wird, welches man deinstallieren will, drückt man am besten auf p (Prune), um auch die nicht benutzten Abhängigkeiten loszuwerden (einen ähnlichen Zweck würde auch “apt-get autoremove” erfüllen, allerdings muß man dafür erst wissen, welches Paket man eigentlich los werden will).

Noch ein paar Worte zum Entfernen von “restricted”. Wer versucht, eines der “linux-restricted-modules”-Pakete oder “nvidia-kernel-common” zu deinstallieren, wird dabei auch das Metapaket “linux-generic” los. Da das auch den Linux-Kernel und die unrestricted Modules zusammenhält, sollte man direkt anschließend das Metapaket “linux-image-generic” installieren.

Wer ohne den Adobe Flash-Player (Paket “flashplugin-nonfree”) auskommen will, hat als Open-Source-Alternative nur Gnash (Paket “mozilla-plugin-gnash”). Gnash unterstützt allerdings im Moment nur einen Bruchteil der Inhalte, die vom Flash-Player problemlos abgespielt werden – hoffen wir, daß sich die Situation mit Hardy Heron bessert.

Ubuntu installieren, ohne zu partitionieren

Saturday, April 19th, 2008

Bis einschließlich Ubuntu 7.10 (Gutsy Gibbon) gibt es nur eine Möglichkeit, Ubuntu kennenzulernen. Man bootet die Live-CD, mit der man die Systempartition nicht verändert. Da man früher oder später aber doch mal Daten speichern will, war der nächste Schritt oft die Einrichtung einer eigenen Partition für eine feste Installation von Ubuntu. Obwohl dieser Schritt durch das problemlose Verkleinern von Partitionen sehr einfach gemacht wird, war es nicht für jedermann.

Doch jetzt gibt es Wubi: Eine Ubuntu 8.04 (Hardy Heron)-CD/DVD kann man einfach unter Windows einlegen, wie jede Windows-Applikation installieren und starten. Wubi bindet Ubuntu einfach im XP- bzw. Vista-Bootmanager ein und legt die Daten unter “c:\ubuntu” ab. Genauso einfach de-installiert man Ubuntu bei Nicht-Gefallen wieder: Add/Remove Programs aufrufen, Ubuntu auswählen, uninstall… Das dürfte die Hürde für Zweifler weiter herabsetzen. Fehlt nur noch ein Weg, um eine mit Wubi durchgeführte “Low-Impact-Installation” irgendwann ohne Datenverlust in eine vollwertige Ubuntu-Partition zu migrieren.

Scratches Director’s Cut

Sunday, April 6th, 2008

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer mir Scratches empfohlen hat. Es lagerte schon seit einigen Monaten nicht ernstgenommen auf meiner Festplatte. Aus einer Laune heraus startete ich es kürzlich und wurde fast sofort in seinen Bann gezogen!

Doch von vorne: Scratches ist ein Grusel-Adventure, das man in etwa wie Myst steuert. Mit der Maus dreht man sich in alle Richtungen. Klickt man in eine Richtung, geht man ein paar Meter und bleibt dann wieder stehen. Gegenstände werden ebenso einfach mit einem Klick benutzt; das Inventar erreicht man über die rechte Maustaste. Die Tastatur braucht man nur, um abzuspeichern oder das Spiel zu verlassen.

Die Story meint man schon zu kennen: Ein Schriftsteller sucht einen ruhigen Ort, um seiner Kreativität Raum zu geben. Da kommt ein uralter, verlassener Landsitz gerade recht. Nur dumm, dass die marode elektrische Beleuchtung aus unerfindlichen Gründen nicht funktioniert. Auch dumm, daß das Haus mehrere Bewohner hatte… Und die heraufziehende Nacht macht die Situation nicht besser. Scratches hat es in sich! Die Stimmung ist unheimlich dicht. Einige Male hätte es mich fast zerrissen!

Die Schwierigkeit der Rätsel erstreckt sich von sehr leicht bis schwer. Ich empfehle, die Hints (siehe Optionsmenu) einzuschalten. Diese melden sich zu Wort, wenn man längere Zeit ohne Fortschritt herumgeirrt war.

Das Spiel gibts in einer ursprünglichen Version und als Director’s Cut mit einem Zusatz-Kapitel. Ich habe letzteren gespielt. Merkwürdigerweise muss man trotz Director’s Cut ein umfangreiches Grafik-Update sowie einen Patch vom Internet installieren, um in den Genuß der Vorzüge der Spezialversion zu kommen. Man darf sich aber nichts vormachen: Die Grafik wirkt streckenweise etwas altbacken, erfüllt aber seinen Zweck hervorragend. Die Musikuntermalung ist erstklassig.

Für Freunde des gepflegten Gruselns ist Scratches ein Geheimtip! Prädikat: Sehr empfehlenswert.

P.S: Was hat’s mich gerissen, als ich – Scratches ob des fortgeschrittenen Abends schon beendend – plötzlich leise Stimmen aus den Boxen hörte! Einige endlose Augenblicke später wurde mir wieder die mangelnde elektrische Abschirmung meiner Teufel-Ramschboxen bewußt.