Auf den ersten Blick mutet Crysis wie eine direkte Verlängerung des Vorgängers Far Cry an: Ein Nachfahre von Rambo räumt auf einer Südseeinsel auf. Dazu greift er (in der Demo) auf Pistolen, Maschinengewehre, Shotguns, Granaten und diverse Land- und Seefahrzeuge nebst der darauf montierten Waffen zurück. Eine Story gibt es keine – nur das Ende der Demo deutet darauf hin, daß Crysis dramaturgisch mehr bieten könnte als Far Cry.
Die Grafikpracht ist der Hammer. Trotz eindrucksvoller Vorlagen in Form von Just Cause, Gothic 3 und dergleichen setzt Crysis noch zwei oben drauf und schafft die perfekte Illusion einer offenen Welt, in der jedes Detail modelliert ist. Palmen knicken zentimetergenau an der Stelle, an der sie von Querschlägern getroffen werden, ein und brechen gegebenenfalls ab. Die Druckwelle einer Granate wird durch wegfedernde Vegetation sehr eindrucksvoll sichtbar. Gras und Büsche wachsen so dicht, daß man mehr als einmal Probleme hat, die übrigbleibende Munition getöteter Soldaten zu finden. Nettes Feature: Äste biegen sich zur Seite, wenn man durchs Gebüsch läuft. Alle Schatten sind dynamisch und kennen keine Ausnahme. Wasser hat echte Wellen, auf denen das Licht der aufgehenden Sonne glitzert. Von unter der Wasseroberfläche wird die Außenwelt korrekt verzerrt. Hat man die Wasseroberfläche direkt vor der Nase, sieht man ausnahmsweise mal keine kaputten Polygone, sondern eben eine Wasserlinie – wie am Aquarium. Es laufen sogar noch Tropfen an der “Kameralinse” runter, wenn man das Bad beendet. Gebäude und Fahrzeuge können zerstört werden, wobei hier jedes Teil seinen eigenen physikalischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Es gibt Bewegungsunschärfe (schnelle Drehungen) und Tiefen-Unschärfe (Sniper). Auch die Bedienung ist gut gelungen: Modifikationen der Waffe nimmt man direkt am Gerät vor. Zwischen den Modi des Kampfanzugs kann man mit einen 5-way-switch auf der mittlereren Maustaste wechseln: Knopf gedrückt halten und in eine von fünf Himmelsrichtungen fahren – einfacher geht es nicht!
Die CryEngine setzt auf alle Fälle einen neuen Maßstab. Das fordert aber auch Tribut: Auf meiner GeForce 8800 GTS unter 1920 x 1200 ist das Spiel gerade noch eben auf Einstellung “High” spielbar. “Very High” ist DirectX 10 vorbehalten. Leider bedeutet allein der Wechsel auf Vista (bei gleicher Grafiktreiber-Revision) schon einen deutlichen Leistungseinbruch, der in meinem Fall die Grenze zur Unspielbarkeit übertritt. Das Umschalten auf “Very High” macht das Spiel natürlich noch langsamer, wenn auch noch ausgefeiltere Shader-Programme zum Einsatz kommen (z.B. spektrale Brechung des Lichts unter Wasser – sehr cool!).
Fazit zur Demo: Auch wenn spielerisch nichts neues geboten wird, sollte man sich die Demo unbedingt ansehen. Soweit ich weiß, ist die CryEngine schon vielfach lizensiert (u.a. an ein MMORPG!) und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das ultimative Hammerspiel mit Crysis-Technik herauskommt (und der Level-Editor ist angeblich schon bei der Demo mit dabei). Crysis sollte auch unbedingt als Maßstab zum Kauf einer neuen Spiele-Grafikkarte herangezogen werden! Ist es ein Zufall, daß NVidia just in diesen Tagen die 8800 GT herausbringt?