Location Aware Browsing Oddities

October 24th, 2009

Seit Version 3.5 kennt Firefox ja “Location Aware Browsing”. Eine Web-Applikation - etwa eine Restaurant-Empfehlungsseite - fordert den Aufenthaltsort des Nutzers vom User Agent an. Dieser ermittelt nach einer dem Datenschutz dienlichen Rückfrage unter Zuhilfenahme eines sogenanten “Geolocation Service Provider” die Geo-Koordinaten und liefert sie an die Web-Applikation zurück. Firefox nutzt als Geolocation Service Provider, nachdem i.d.R. kein GPS-Empfänger vorhanden sein dürfte, “Google Location Services”.

Eine zeitlang hat das bei mir auch recht zuverlässig funktioniert: Mein Wohnort in Berlin wurde z.B. bei Google Maps mit unheimlich anmutender Genauigkeit auf den Meter bestimmt. Seit einigen Wochen jedoch liefert jede Anfrage meinen alten, seit mindestens 9 Monaten nicht mehr gültigen Wohnort in München zurück. Was passiert da?

Laut Google nutzt “Google Location Services” die IP-Adresse des Nutzers sowie in dessen Umgebung befindliche WLAN-SSIDs zur Bestimmung der Geo-Koordinaten. Die IP-Adresse wird von Alice, meinem Internet-Provider, jeden Tag aufs neue dynamisch vergeben. Selbst wenn man bei Alice IP-Adressbereiche Städten oder gar Stadtteilen zuordnen könnte, gibt es keinen Grund wieso ich noch mit einer Münchner IP-Adresse im Internet surfen sollte.

Meine eigene WLAN-SSID habe ich kurz nach dem Umzug gewechselt. Die SSIDs meiner damaligen Nachbarn habe ich natürlich auch nicht mitgenommen.

Bleibt noch die Möglichkeit, daß irgendwo undokumentierter State im Browser gehalten wird. Jedoch tritt das Problem auch nach kompletter Ubuntu-Neuinstallation (und übrigens ebenfalls unter Windows) auf.

Mir ist das irgendwie umheimlich… Hat jemand eine Idee, wo ich suchen kann?

Media Center gesucht

April 6th, 2009

Ich würde mir gerne ein All-In-One-Gerät zum Musikhören, Filme schauen und täglich wiederkehrende Informations-Abfragen (z.B. Wetterbericht) zusammenstellen.

Folgende Eigenschaften sind mir wichtig:

  • Linux ist installierbar und unterstützt sämtliche im Folgenden geforderte Hardware (Open Source bevorzugt, aber für Gerätetreiber würde ich hier evtl. eine Ausnahme machen)
  • Bildschirm mit mindestens 720p-Auflösung (1280 x 720)
  • genügend Leistung, um Filme von BlueRay-Discs abzuspielen (Bild- und Tondekodierung; Kopierschutz optional)
  • 3D-Leistung fast irrelevant, genügend Stoff für moderne Desktop-Effekte wäre nett
  • DisplayPort oder HDMI-Ausgang mit Ausgabe von 1080p24 (1920 x 1080 mit 24 Vollbildern pro Sekunde) für zukünftigen Videoprojektor
  • Audio-Ausgabe über qualitativ hochwertige 5.1-Ausgänge für zukünftigen Heimkino-Verstärker
  • Ethernet und WLAN 802.11n (mindestens 2 Antennen)
  • BlueRay/DVD-Laufwerk (Slot-In) wäre zwar praktisch, ist aber nicht unbedingt notwendig
  • am besten Bedienung via Touchscreen (Single-Touch reicht); als Notlösung sonstige Eingabemöglichkeit direkt am Gerät (für Tastatur und Maus ist kein Platz)
  • möglichst flach wandmontierbar
  • geringer Stromverbrauch und geräuschlos im Idle-Zustand (hierzu zählt auch simples Musikabspielen)

Ich stelle mir vor, daß das Gerät an einem zentralen Platz in meiner Wohnung hängt und immer eingeschaltet ist. Es kennt im Prinzip zwei Nutzungsprofile: Im Normalfall beschallt es diverse in der Wohnung verteilte Boxen mit Musik von Internetradios oder einem UPnP-Server in gemäßigter Lautstärke. Wenn ich einen Film sehen will, schaltet die Audioausgabe auf ein fest definiertes 5.1-Setup um und der Video-Ausgang tritt in Aktion. Auch wenn gerade kein Medienkonsum stattfindet, sollen Informationen wie Wetterbericht oder Abfahrtszeiten der Tram einfach erreichbar sein.

Im Idealfall erkennt das Gerät, daß ich mich nicht innerhalb der Wohnung aufhalte (z.B. durch “Abwesenheit” meines Handies) und schaltet alles ab, was nicht zum automatischen Aufwachen notwendig ist.

Für die Zukunft stelle ich mir noch diverse “Home Automation”-Aufgaben vor, z.B. Überwachung von Strom-Verbrauchern, Fenster/Tür-Sensoren, u.s.w. Da es hier aber immer noch keinen treibenden Standard gibt, klammere ich dieses Thema erstmal aus. Ebenfalls out-of-scope sind technisch aufwändige Computerspiele (für diese habe ich einen Spiele-Rechner) sowie die Archivierung von Daten (dafür plane ich einen separaten NAS-Server, der dann auch einen UPnP-Share bereitstellen wird).

Ich hab mich mal ein bisschen umgesehen:

  • Netbooks sind preislich sehr attraktiv, es gibt aber nur sehr wenige mit HDMI-Ausgang und gar keine mit Touchscreen. Die geforderten Audio-Ausgänge müßte ich über eine externe Soundkarte realisieren, da Notebooks generell nur einen Stereo-Ausgang besitzen. Außerdem müßte ich die Geräte quasi komplett aufgeklappt an der Wand befestigen, was zumindest etwas unkonventionell ist.
  • Nettops gibt es noch sehr wenige, und die wenigen sind scheinbar nicht wandmontierbar, sondern verlassen sich auf einen Ständer. Das Dell Studio One 19 wäre ein interessantes Gerät mit Touchscreen und BlueRay-Laufwerk, jedoch fehlt ein Video-Ausgang.
  • Der Apple iMac hat leider weder Touchscreen noch eine Eingabemöglichkeit direkt am Gerät, würde aber wohl sonst die meisten meiner Bedingungen erfüllen. Linux ist auf Apple-Geräten immer noch ein etwas holpriger Weg, geht aber wohl. Es wäre auch ein MacBook denkbar, dessen großzügiges Touchpad eine echte Alternative zum Touchscreen darstellen könnte.
  • Mein altes Dell Latitude X1 erfüllt nur sehr wenige der Anforderungen (keine passenden Ausgänge, zu wenig Leistung, u.s.w.). Da es absehbar zur Disposition steht, könnte es aber zumindest übergangsweise den akkustischen Teil abdecken. Immerhin wäre der Stromverbrauch mit 10W geradezu traumhaft.

Mich wundert eigentlich, daß es die von mir gewünschte Gerätegattung nicht fertig zu kaufen gibt. Vor allem in Küchen wäre das doch praktisch, mit Hinblick auf den zusätzlichen Usecase des “elektronischen Rezeptbuchs”.

Über den (Un)Sinn von PPP an DSL-Anschlüssen

March 15th, 2009

Vor vielen Jahren wurden die Grundlagen der jetzt allgegenwärtigen DSL-Anschlüsse geschaffen. Auf die Bitübertragungsschicht (die nicht Teil dieses Beitrags sein soll) legte man ATM (Asynchronous Transfer Mode), bei dem die Daten in Pakete unterteilt werden. Das war die ideale Grundlage für alle damals gängigen Netzwerk-Protokolle - neben dem heute üblichen IP (von TCP/IP) auch IPX/SPX (Novell) oder ISDN. Eine DSL-Leitung entspräche als fast der Verbindung über ein LAN-Kabel; die Datenverbindung steht, wenn auf beiden Seiten der Stecker drin ist.

Doch man hatte die Rechnung nicht ohne die Deutsche Telekom gemacht. Diese vermisste nämlich die Möglichkeit, die Verbindung softwaremäßig zu unterbrechen bzw. wiederherzustellen (die sogenannte “DSL-Einwahl”). Man war von ISDN- und Analogtelefonie gewöhnt, erst ab Einwahl bis zur Unterbrechung der Verbindung zu zahlen. Diese zeitbasierte Abrechnung sollte so lange wie möglich beibehalten werden. Das ist natürlich nicht möglich, wenn die Verbindung 24 Stunden am Tag besteht. Also suchte man nach einer Möglichkeit, eine virtuelle Verbindung über die DSL-Leitung aufzubauen. Die Wahl fiel auf PPP (Point-to-Point Protocol), und nachdem wir es nicht mit einer seriellen Verbindung zu tun haben, auf die spezielle Variante PPPoE (PPP over Ethernet). Und die klaffende Lücke zwischen ATM und Ethernet-Frames schloß man mit einem entsprechenden Adapter. Auf PPP thront dann wieder IP. Mit zwei zusätzlichen Schichten war man also nun in der Lage, die Kunden pro Minute zu schröpfen.

Fast forward, 10 Jahre. Alle deutschen DSL-Anbieter sind in dieselbe Falle getappt und tun es der Telekom gleich. In Österreich, Polen und vielen anderen europäischen Ländern verzichtete man immerhin auf den Ethernet-ATM-Adapter und entschied sich für die PPPoA (over ATM)-Variante. Der durch den Wegfall eines Protokolladapters erzielte Geschwindigkeitsvorteil beträgt immerhin knapp 1%.

Inzwischen dürfte 99% der DSL-Kundschaft auf eine volumenbasierte Abrechnung migriert sein. Viele davon haben sogar eine Flatrate. Einige DSL-Anbieter bieten gar keine zeitbasierte Abrechnung mehr an. Die Erfassung einer Nutzungsdauer ist also nicht mehr wirklich relevant.

Zeit, die Nutzung von PPPoE/PPPoA zu überdenken. Denn neben dem Protokoll-Overhead bringt es nämlich viele andere Probleme mit sich. Allen voran die Authentifizierung. Ursprünglich dafür gedacht, den Nutzer zu ermitteln, der sich über die Telefonleitung zum Zugangspunkt einwählt, ist das bei DSL weniger sinnvoll: Jeder Nutzer hat ohnehin eine dedizierte Leitung. Folgerichtig nehmens die Provider mit der Authentifizierung auch nicht so ernst und lassen einfach beliebige Passwörter zu. Trotzdem steckt hier eine riesige Fehlerquelle: Alle 4 Ausfälle, die ich bei meiner Alice-DSL-Leitung seit 8 Jahren zu beklagen hatte, sind darauf zurückzuführen. Mal wird aus unbekanntem Grund der PPP-Username geändert, mal trennt ein Bagger die Verbindung zwischen Zugangspunkt und Authentifizierungs-Server. Wohlgemerkt: In allen Fällen war die ATM-Verbindung intakt, es hätten also Daten fließen können.

Man muß auch bedenken, daß viele User schon damit überfordert sind, überhaupt eine Username/Passwort-Kombination in ihren Router einzutragen. Nebenbei erwähnt: Es gibt inzwischen weitergehende Protokolle, die die Konfiguration des Routers in die Hand des Providers legen. Warum tun die DSL-Provider sich und ihren Kunden den Aufwand für diese Vielzahl an Protokollen an?

PPP teilt dem Nutzer auch seine IP-Adresse zu. Dafür gibt es allerdings Alternativen, z.B. das via Ethernet und WLAN gebräuchliche DHCP. Ganz nebenbei kann man mit DHCP auch ganze Subnetze zuweisen, womit PPP versagt (daher geht man bei Firmen-DSL-Anschlüssen ohnehin schon einen anderen Weg). Und mit IPv6 wird sogar DHCP überflüssig, da dieses die Vergabe der IP-Adresse(n) bereits mitbringt.

PPP kann, wie schon erwähnt, die Verbindung trennen - auch anbieterseitig. Davon wird in Form der “Zwangstrennung”, die i.d.R. alle 24 Stunden erfolgt, auch Gebrauch gemacht. Doch wer will, verbindet sich nach einer Trennung direkt neu. Was bleibt, ist der Zwangs-Wechsel der IP-Adresse. Das ist aus Anbieter-Sicht nützlich, da es den Kunden erschwert, Serverdienste an DSL-Anschlüssen bereitzustellen. Der Zwangs-Wechsel einer IP-Adresse ist jedoch auch bei DHCP möglich, man müßte nur die “Lease Time” begrenzen.

PPP ermöglicht es, mehrere virtuelle Verbindungen gleichzeitig laufen zu lassen. Dies wird beispielsweise von Alice an manchen Anschlüssen genutzt, um Internet-Traffic von NGN (IP-Telefonie) zu trennen. So ist es unwahrscheinlicher, daß ein schneller Download das parallel laufende Telefongespräch beeinträchtigt. Doch das Feature paralleler Datenströme ist eines der Basisfeatures von ATM, ja eigentlich der Grund wieso man überhaupt Datenpakete eingeführt hat. Alternativ käme auch die QoS-Erweiterung für IP in Betracht.

Warum also nicht die Daten direkt über ATM fließen lassen? Mit “Multiprotocol Encapsulation over ATM” existiert seit über 15 Jahren ein Standard dafür.

25th Chaos Communication Congress

December 31st, 2008

Einer der Gründe, weshalb ich nach Berlin gezogen bin, ist der kreativen Computer-Szene näher zu kommen. Eine gute Gelegenheit, hier reinzuschnuppern, ist der Chaos Communication Congress. Das ist das Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs, dieses Jahr in der 25.ten Auflage. Von der Grundidee ist der 25c3 tatsächlich ein Kongress, allerdings mit einem sehr dicht gepackten Vortragsprogramm aus den Bereichen Hacking, Making, Society, Culture und Community.

Aus insgesamt knapp 100 Vorträgen konnte ich 35 besuchen. Dort habe ich gelernt, daß wir mit durch und durch unsicherer Technik umgeben sind. Zum Beispiel können Gespräche über DECT-Telefone mit einer 20€ preiswerten Hardware abgehört werden; wahrscheinlich kann man ähnlich einfach auch Gespräche auf Kosten des Nachbars führen. GSM-Zellen können inzwischen von jedermann mit einem Aufwand von ca. 700€ (illegal) aufgebaut werden. Interessanterweise buchen sich viele Handies in so eine “Piratenzelle” ein, obwohl diese nicht vorgibt, einem der offiziellen Mobilfunkanbieter zu gehören. Einzig UMTS bietet noch einen gewissen Schutz, so daß ich jedem raten würde, DECT-Telefone außer Betrieb zu nehmen und vom Handy nur noch den UMTS-Teil zu benutzen. Nebenbei wurde ein Exploit gezeigt, mittels dessen man mit einer speziellen SMS die SMS-Funktionalität eines beliebigen Nokia S60-Handies lahmlegt.

Algorithmen und Daten in einen Chip zu gießen bietet mittlerweile auch keinen guten Schutz mehr, denn die Software zum Reverse-Engineeren von Chipstrukturen ist inzwischen sehr leistungsfähig geworden. Prominentestes Opfer dieser Technik ist Mifare, deren lausiger Veschlüsselungsalgorithmus, der in Millionen von Zugangs- und Bezahlkarten Anwendung findet, auf diese weise enttarnt wurde. Daten in RAM-Chips wiederum sind lange nicht so volatil, wie man vielleicht annimmt. Nicht nur behalten sie ihre Ladung über eine längere Zeit des Abschaltens, sondern man kann die Module sogar in einen anderen Computer wechseln, wenn man sie nur vorher mit gewöhnlicher Druckluft etwas abkühlt.

Auch mit dem Schaffen von Dingen beschäftigen sich die Leute. Der eine erzeugt algorithmische Musik, der nächste erklärt in 64 Minuten alles, was man über die Programmierung eines C64 wissen muß. Gleich mehrfach vertreten waren die Anhänger des Rapid Prototyping, also dem Erschaffen von physikalischen Objekten mittels Computerprogramm (bekanntestes Beispiel: CNC-Fräse). Im Keller des Kongress-Zentrums wurden Hubschrauber gebastelt, LED-Matrizen demonstriert und natürlich gehackt, bis die Balken brechen.

Ein interessantes Projekt war OpenBeacon/OpenAMD, die mittels RFID-Technik “Sputnik” Bewegungs- und Bezeihungsprofile aller Teilnehmer erstellt haben. Leider startete die Erfassung mit einem Tag Verspätung, und die Auswertung dann mit einem weiteren, so daß ich nicht mehr viel von dem Spaß hatte. Aber mal sehen, was für Informationen nachträglich noch aus dem Datenberg gewonnen werden.

Eine Multimedia-Show über Kurt Gödel, ein schräg-chaotisches Theaterstück über den Kommunismus und eine Hacker-Quiz-Show rundeten das Veranstaltungsprogramm der Abende ab. Doch die Hacker und Hacksen konnten dann noch auf den Parties der nahe gelegenen C-Base feiern, oder zur Musik des ständigen DJ-Programms in der Raucher-Lounge chillen… Für viele war der Kongress für 4 Tage das Zuhause, denn man konnte 24h im Gebäude bleiben.

Ein Problem war die chronische Überfüllung aller Vortragssäle, denn mit ca. 4300 Besuchern hat der Kongress erstmals alle Karten ausverkauft. Ein Wechsel des Veranstaltungsorts kommt laut CCC eher nicht in Frage, denn das Center erfüllt wohl sonst alle Kriterien. Ich persönlich fände einen Wechsel auch sehr schade, denn ich finde die Architektur sucht seinesgleichen. So oder so: Ich werde nächstes Jahr wieder mit dabei sein!

Gothic

November 29th, 2008

In den letzten Wochen habe ich einen echten Rollenspiel-Klassiker gespielt. Gothic (Teil 1) erzählt die Geschichte von einem Abenteurer, der in ein mit einer magischen Barriere umgebenes “Gefängnis” geworfen wird und versucht, wieder ins Freie zu kommen. Die Barriere ist so groß, daß sie mehrere Täler, einige Städte bzw. Dörfer und auch unterirdische Bereiche wie Höhlen und Minen umschließt. Der Spieler erfährt gleich am Anfang, daß sich die Bewohner in mehrere Fraktionen - die Lager - gespalten haben, die jeweils verschiedene Ziele verfolgen. Man entscheidet sich für eines dieser Lager und erhält eine entsprechende Ausbildung, die aber in jedem Falle aus einem ausgewogenen Mix zwischen Kampfkunst und Zauberei besteht.

Vor allem aber erlebt man die Story aus der Perspektive des entsprechenden Lagers. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber es gibt einige drastische Wendungen in der Story, die zwar von der Idee her nicht neu sind, aber in einem Rollenspiel trotzdem noch nie so gut umgesetzt wurden - auch nicht in den Nachfolgern Gothic II bzw. Gothic III. Allein deshalb lohnt es sich, die Gothic-Reihe am Anfang zu beginnen.

Die Athmosphäre in Gothic ist - vor allem für ein Spiel aus dem Jahr 2001 - unglaublich dicht. Dafür sorgt die Detailverliebtheit der Designer: Jeder Teil der Welt erfüllt seine (romantischen) Klischee-Vorbilder: vom mittelalterlichen Marktplatz bis zum verlassenen Leuchtturm mit Felsengang bis zur geheimen Bucht an der Steilküste. Es gibt finstere Wälder, in denen böse Monster hausen. Es gibt aber auch lieblich dahinplätscherde Bäche. Man erhält sofort erste Quests und wird von diesen durch die gesamte Story geführt. Das schöne ist, daß jede Quest Sinn macht. Man hilft Fremden aus der Patsche, freundet sich möglicherweise an und kämpft später vielleicht Seite an Seite. Ich kann mich an kein Rollenspiel erinnern, bei dem ein vergleichbares Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht.

Leider ist bei aller Perfektion das User-Interface auf der Strecke geblieben. An die konsolenartige, genre-untypische Steuerung gewöhnt man sich noch relativ schnell. Den Vogel schießt allerdings das Inventar ab, in dem man umständlich alle Kategorien nacheinander durchblättern muß. Selbst so wichtige Gegenstände wie die in der Gothic-Welt gültige Währung Erz sind tief vergraben - vor allem beim Handel sehr hinderlich. Glücklicherweise wurde das beim Nachfolger leicht verbessert. Es fehlt die Möglichkeit, Zaubersprüche oder Tränke auf Hotkeys zu legen. Es ist damit so gut wie unmöglich, während eines Kampfs die Strategie zu wechseln.

Ein Problem sind auch die Bugs. In der ersten Spielhälfte läuft das Spiel noch recht stabil. Später empfiehlt sich dann jedoch häufiges Speichern, da Probleme beim Memory Management das Spiel immer mal wieder in die Knie zwingen. Am Ende ist es dann gar dem Zufall überlassen, ob man bestimmte - an sich harmlose - Stellen ohne Programmabsturz passieren kann. Probleme dieser Art ziehen sich übrigens durch die ganze Gothic-Reihe und zeigen in Gothic III ihren Höhepunkt.

Trotz der technischen Probleme ist Gothic ein Muß für Rollenspieler. Zusammen mit Teil 2 übertrifft es Urgesteine wie die Ultima-Serie, vor allem weil der Spagat zwischen packender Story und athmospärisch dichter 3D-Grafik hier erstmalig wirklich gelungen ist. Ein Jammer, daß sich das Entwicklerteam Piranha Bytes aufgrund des nicht die hohen Erwartung erfüllenden Gothic III vom Gothic-Universum trennen mußte…

Community Camp und Mobile Applications

November 2nd, 2008

Ich komme gerade vom Community Camp zurück und bin - wie immer nach BarCamps - voll von Inspirationen. Vor allem die letzte Diskussionsrunde von Willi und Mo, wo es um Mobile Communities ging, hatte es in sich.

Es wurde deutlich, daß viele - sogar mutmaßlich technikaffine - Personen ein fortwährendes Publizieren des eigenen Standortes ablehnen. Das finde ich schade, ist es doch ein ständiger Wunsch von mir, zu wissen, ob sich Mitglieder meiner Peer-Group gerade in der Nähe befinden. Klar, ich kann verstehen, daß man manche Aufenthaltsorte besser geheim hält. Das immer wieder zitierte Fremdgehen oder den Abend im Swingerclub finde ich zwar ein kindisches Beispiel (dazu sollte man stehen), aber klar, manchmal möchte man vielleicht Weihnachtsgeschenke kaufen. Jedenfalls: Kann man nicht einen Kompromiß finden? Wenn man sich z.B. in einer Gruppe auf dem Oktoberfest trifft, könnten doch diese Personen Ihren Aufenthaltsort für das Zeitfenster des Treffens sharen? Und das könnte - einen Eintrag im Terminplaner vorausgesetzt - automatisch geschehen.

Björn hat eine andere Vision erwähnt, die immer wieder durch die Medien geisterte, aber nie realisiert wurde: Jedes Produkt (und jede Werbung dafür) sollte via Handy maschinenlesbar sein. Interessiert man sich dafür, bekommt man direkt Produktinformationen angezeigt und kann sich Meinungen ansehen. Leider sind wir von dieser greifbaren Idee trotzdem noch meilenweit entfernt. Erstens brauchen wir eindeutige Schlüssel für die Produkte, mit einem frei verfügbaren Namensraum. Die EAN-Codes bringen wenig, da ich z.B. für das Anbieten einer Mietwohnung keinen EAN-Code bekomme. Außerdem gibt es meineswissens kein allgemeines Mapping von EAN-Codes ins DNS (vergleichbar zu ENUM für Telefonnummern), so daß ich dafür einen zentralen Dienstleister bemühen müßte. Erfolgversprechender scheinen mir da zusätzliche 2D-Barcodes zu sein, die schlicht eine URL beinhalten. Entsprechende Standards existieren, werden aber (in Deutschland) nicht genutzt. Aber viele Firmen schaffen es ja noch nichtmal, Ihre Produkte per Deeplink erreichbar zu machen (z.B. Nike)… So kommt es, daß ich vorhin auf dem Rückweg über den Ku’damm zwar einige interessante Sweatshirts und Kauf-Wohnungen gesehen habe, aber schlichtweg zu faul war mir die Namen der Geschäfte oder gar irgendwelche Artikelbezeichnungen aufzuschreiben.

Ein Teilnehmer hatte den Wunsch, Augmented Reality zur Realität werden zu lassen, d.h. das Überlagern des real von uns wahrgenommenen Bildes mit weiteren Informationen. Das wäre die perfekte Integration von Realität und Virtualität. Aber wenn man sich’s mal genau überlegt, ist noch nichtmal die Virtualität ansatzweise integriert. Warum gibt es nicht in jedem Betriebssystem eine Karten-Komponente, die von allen location-basierten Applikationen mit Informationen angereichert wird? Google Maps weist zwar in die richtige Richtung. Aber viele Nutzungsformen werden von Google unterbunden, um das eigene Geschäftsmodell nicht zu gefährden. Da macht sich jemand die Mühe, eines der ältesten location-basierten Probleme zu lösen, nämlich Busfahrpläne der nächstgelegenen Bushaltestellen zu liefern, und wird prompt von der BVG bedroht. Na immerhin funktionieren inzwischen mailto:-Links aus meinem Web-Browser heraus zufriedenstellend (-:

Insgesamt bin ich froh, beim Community Camp gewesen zu sein und danke den Veranstaltern und den Session-Haltern für ihre Initiative.

o2 mit SMTP-Proxy

September 6th, 2008

Ich bin gerade ziemlich sauer auf o2.

Seit zwei Monaten nutze ich ja deren mobilen Internet-Zugang ausgiebig, natürlich auch für e-Mail. Vor einer Woche machte mich ein Gesprächspartner darauf aufmerksam, daß meine Mail bei ihm im Spam-Ordner landet, weil der einliefernde Mailserver angeblich für Spam-Auslieferung bekannt ist. What the fuck? Unser Mail-Server - liebevoll administriert - wird als Spam-Schleuder mißbraucht? Doch halt - die Adresse des Mail-Servers ist ja gar nicht die unseres Root-Servers, sondern eine von o2. Mein erster Gedanke war, daß Evolution die Mails versehentlich selbst an den für den Empfänger zuständigen Mailserver ausliefert, anstatt den dem Postfach zugeordneten Mailserver zu verwenden.

Doch Tage später finde ich heraus, daß Evolution gar keine Schuld trägt. Ein Test per telnet ergibt, daß ich gar nicht mit unserem Mailserver verbunden werde, wenn ich die Verbindung von meinem per UMTS verbundenen Client aus aufbaue. Stattdessen lande ich auf einem SMTP Proxy, und dieser bietet noch nichtmal STARTTLS (Verschlüsselung).

Ich frage mich, wieso o2 so einen Unsinn macht? Was für ein Sinn macht ein SMTP Proxy? Im Gegensatz zu HTTP kann man nichts cachen. Man kann auch keine Bilder kleinrechnen, da SMTP ja nur zum Verschicken von Mails dient und die Bilder bereits durch den Flaschenhals UMTS gewandert sind, wenn der Proxy zum Zuge käme. Also was? Etwa Mails mitlesen? Protokollieren? Ich will gar nicht weiterdenken.

Konsequenterweise habe ich jetzt auf unserem Mailserver SMTPS (SMTP via SSL) zusätzlich zu SMTP eingerichtet und empfehle jedem unserer User, die Mail-Clients auf SMTPS umzustellen. Wer sich auf SMTP/StartTLS verläßt, riskiert, daß seine Mails unverschlüsselt zum Mailserver übertragen werden.

IFA 2008

September 1st, 2008

Wow, 1000 Eindrücke! Auf der IFA gibt es gefühlt weniger Wandfläche als Monitorfläche. Einige der Stände können sich echt sehen lassen. Bei Sony fühlt man sich wie in einem tropischen Regenwald auf dem Neptun, inkl. Gewitter jede viertel Stunde. Samsung empfängt die Messebesucher mit einem riesigen Torbogen aus getrennt steuerbaren Monitoren - zusammen mit der passenden Sounduntermalung ein Erlebnis! Doch auch fast alle anderen Stände sind durchgestyled - triste Messe-Cubicles a’la Systems bekommt man nur in den rein chinesisch/koreanischen Hallen präsentiert. Die wohl dieses Jahr hinzugekommene “weiße Ware” (Haushaltsgeräte) ist eigentlich gar nicht so weiß mehr, und hat vor allem den Vorteil, daß man gut verköstigt wird. In den Hallen 1-4 wird um die Wette gekocht, und auch die Anhänger von Koffein-Produkten oder Bio-Limonaden kommen nicht zu kurz.

Meine subjektiven Highlights:

Bei Nespresso bekommt man den Kaffee in einer speziellen Tasse serviert. Setzt man diese auf den Tresen, werden neben der Tasse Informationen zur Kaffee-Sorte eingeblendet. Man mann die Tasse herumschieben - die Sprechblase folgt bei Fuß. Auch Eingaben per Finger sind möglich, in diesem Fall die Sprachwahl.

Bei Sony gibts das Jump’n'Run “Little Big Planet” für die PS3 auszuprobieren. Das macht richtig Laune, vor allem weil auch ein Level-Editor dabei ist und die Möglichkeit, Levels über das Internet zu tauschen. Außerdem gibt’s einen tanzenden MP3-Player (wohl eher ein Party-Gag). Die OLED’s haben mich dagegen enttäuscht, die Farben sehen einfach nicht echt aus.

Bei der Telekom steht eine große Videowand, die in etwa die gleichen Touch-Gesten wie das iPhone versteht, allerdings von vielen Nutzern gleichzeitig. Macht echt Spaß, Videos zu Zoomen und zu rotieren.

Irgendwo abseits vom Trubel, in der sonst eher schlichten “Forschungs”-Halle, gibt’s diese Dinosaurier-Roboter zu bestaunen. Sieht süß aus, wird aber bestimmt schon nach 30 Minuten langweilig.

JVC führt in einem Separee einen ihrer neuen Projektoren mit dem Markennamen “D-ILA” vor. Das hat mich ziemlich beeindruckt - ich habe schon gedacht, daß moderne Projektoren nie ans Kino herankommen werden. Jedenfalls habe ich gelernt: HD-Auflösung reicht erstmal, und der Schwarzwert von Nicht-Röhren-Projektoren ist inzwischen auch vorzeigbar. Mal sehen, was das Teil kostet, wenn ich endlich wieder ein Heimkino einrichten kann…

Apropos Schwarzwert: Samsung demonstriert einen Fernseher, dessen Hintergrund-LEDs adaptiv ausgeschaltet werden. Dadurch erhält man einen wirklich beeindruckenden Schwarzwert, und mir sind auch keine negativen Nebeneffekte der Technologie aufgefallen (die Demo läuft mit realem Bildmaterial). Direkt nebenan gibts eine Technik zur Berechnung von Zwischenbildern zu sehen, wodurch vor allem scrollende Bereiche butterweich scrollen - trotz Zuspielung mit ruckeligen 24 Hz. Allerdings befürchte ich, daß der Algorithmus nur mit dem doch eher abwechslungslosen Demo-Material einwandfrei funktioniert. Das Subnotebook X360 steht gleich mehrfach herum, sieht aber wirklich aus wie Spielzeug. Aufgefallen ist mir vor allem die schlechte Verarbeitung (unregelmäßige Spalten). Immerhin: Anscheinend soll es jetzt doch gleich mit integriertem HSDPA erscheinen.

Bei DLP (Texas Instruments) gibt’s in einem Vorführraum einen Full-HD-Beamer mit LED-Leuchtmittel zu sehen. Die Helligkeit ist zwar für LEDs erstaunlich, jedoch läßt der Schwarzwert sehr zu wünschen übrig. Direkt daneben gibts Trailer von 3D-Filmen - darunter ein Remake von Journey to the Center of the Earth.

Bei Miele gibts Waschmaschinen, Geschirrspülmaschinen und diverse Küchengeräte, die per Powerline vernetzt werden. So kann etwa am Herd abgefragt werden, in welcher Waschphase sich der Kollege im Keller gerade befindet. Um von dem proprietären Netzwerk eine Brücke in die TCP/IP-Welt zu schlagen, muß man allerdings ein ca. 800 Euro teures “Gateway” kaufen. Der ganze Spaß hört auf “at Home”.

Und schließlich habe ich bei HTC mit dem Touch Pro herumgespielt. Es gab nur ein einziges Exemplar, dagegen einige Diamonds. However, die Bedienung ist leider ähnlich unpräzise wie beim Diamond. Manchmal hinkt die Darstellung den Touch-Gesten bis zu einer Sekunde hinterher. Allzu oft löst man eine ungewollte Funktion aus, und tatsächlich landet man weitaus öfters in klassischen Windows Mobile-Anwendungen, als die Testberichte hoffen machten. Trotzdem schick und klein; die Tastatur ist von ähnlicher Qualität wie die des Nokia E70. Leider konnte ich wieder keine Surf-Navigation testen, da HTC nicht an einen Internet-Zugang gedacht hat. Für einen Moment war ich versucht, das E70 als Internet Access Point zur Verfügung zu stellen - hab’s aber dann doch gelassen.

Leider ist Lenovo nicht mit von der Partie. Ich hätte gerne ein ThinkPad X301 gesehen.

Eigentlich ist die IFA mein erstes Messeerlebnis, das mir wirklich einen Blick in die Zukunft gezeigt hat. Viele Exponate sind Technologie-Studien, Prototypen und ähnliches. Jedenfalls kann ich nun sagen: Die Zukunft ist groß, flach, und hat ein Seitenverhältnis von 16:9… In diesem Sinne: Nächstes Jahr vielleicht wieder!

Das Handy als WLAN Access-Point

August 27th, 2008

Es ist mal wieder an der Zeit, eine Handy-Applikation zu erwähnen. Durch Zufall bin ich auf Joiku Spot gestoßen. Dieses kleine Programm verwandelt das Handy in einen WLAN Access-Point. Also - salopp gesprochen - in eine UMTS-Fritz-Box. Auf Computerseite sieht man einfach ein WLAN (leider nur per WEP 128 Bit geschützt) und kann sich wie gewohnt z.B. mit dem Network Manager mit dem Internet verbinden.

Man bekommt per DHCP eine IP-Adresse aus des WLANs privatem Adressbereich zugeteilt - Joiku Spot hat offensichtlich eine NAT eingebaut. Ein per DHCP zugewiesener DNS Proxy ist auch vorhanden. Auf Telefonseite hat man eine Übersicht über die konnektierten Clients, sowie eine Statusseite (u.a. Anzahl übertragener Bytes). Eine NAT-Konfiguration (z.B. zum Öffnen einzelner Ports) fehlt, wäre aber bei deutschen Internet-Providern wohl ohnehin wirkungslos (diese betreiben ein eigenes NAT, auf das man keinen Einfluß nehmen kann).

Der Haken: Das Programm ist - wie es sich für eine ordentliche Symbian-Applikation gehört - Closed Source und kostet 15 Euro. Eine kostenlose Version ist auf HTTP(S) beschränkt und forciert überdies eine Zwangs-Werbe-Startseite.

Ubuntu warnt vor defekten Akkus

July 25th, 2008

Eben rief mich meine Freundin an und erzählte mir, daß sie gerade Ubuntu auf ihrem ersteigerten Notebook installiert hat. Da kam bei ihr doch tatsächlich eine Meldung, daß sie einen Akku in Benutzung hat, der vom Hersteller zurückgerufen wurde. Ich war baff.

Dann habe ich ein bisschen rumgesucht und tatsächlich in den Dateien

/usr/share/hal/fdi/information/10freedesktop/10-recall-battery-*.fdi

die Seriennummern(-Bereiche) der problematischen Akkuserien gefunden. Hey, das finde ich doch mal richtig genial! Ubuntu denkt mit!